Versicherungsschutz für Pferde ist ein wichtiges Thema für viele Reiterinnen und Reiter. Unvorhergesehene Tierarztkosten können schnell hohe Summen erreichen – zum Beispiel kostet eine Kolik-Operation schnell 10.000€ -15.000€. Statistisch gesehen erleidet ein Pferd etwa alle zehn Jahre eine Kolik. Eine Pferdeversicherung hilft, sich vor solchen ungeplanten Tierarzt- und Klinikkosten abzusichern. Ich habe mich mit Anja König von der Österreichischen Hagelversicherung zusammengesetzt, um die verschiedenen Versicherungsmöglichkeiten im Pferdebereich zu besprechen.


Frage: In meiner Community besitzen die meisten ein Freizeitpferd und sind keine Olympia-Reiter. Viele fragen sich, ob sich eine Pferdeversicherung für sie überhaupt lohnt. Warum ist Ihrer Meinung nach auch für Freizeitpferde eine Absicherung sinnvoll?

Anja König: Auch für Freizeitpferde ist eine  Versicherung absolut empfehlenswert. Ihr Pferd muss kein Spitzenpferd sein, um unerwartet krank zu werden oder einen Unfall zu haben. Gerade Koliken sind gefürchtet – fast jeder Pferdehalter kennt Fälle im Stall. Statistiken zeigen, dass jedes Pferd im Durchschnitt alle 10 Jahre einmal an Kolik erkrankt. Die Behandlung kann schnell sehr teuer werden, besonders wenn eine Operation nötig ist. Eine Versicherung sorgt hier für finanzielle Sicherheit, damit man im Notfall die bestmögliche Versorgung wählen kann, ohne zuerst an die Kosten denken zu müssen.

Frage: Welche Arten von Pferdeversicherungen bietet denn die Österreichische Hagelversicherung an?

Anja König: Wir bieten zwei Hauptprodukte an, die man einzeln oder kombiniert abschließen kann: Zum einen die Lebensversicherung für Pferde und zum anderen eine Krankenversicherung. Die Lebensversicherung zahlt eine Entschädigung, falls das Tier durch Krankheit oder Unfall stirbt oder eingeschläfert werden muss. Die Krankenversicherung umfasst hauptsächlich die Übernahme von Tierarzt- und Klinikkosten. Die Basis bildet dabei eine Operationskostenversicherung. Zusätzlich gibt esdie Möglichkeit, auch nicht-operative Kolik-Behandlungen, also Behandlungen von Koliken mit Medikamenten, mitzuversichern. Damit decken wir also sowohl den Wert Ihres Pferdes im Todesfall ab als auch hohe Behandlungskosten im Krankheitsfall ab. Je nach Bedarf können unsere Kunden selbst entscheiden, ob sie nur einen der Versicherungslösungen oder beide zusammen nutzen möchten.

Frage: Gehen wir ins Detail – was genau umfasst die Lebensversicherung für das Pferd?

Anja König: Die Lebensversicherung sichert den Wert des Pferdes ab. Stirbt Ihr Pferd infolge eines Unfalls oder einer akuten Krankheit (oder muss deswegen eingeschläfert werden), erhalten Sie den aktuellen Wert des Tieres ersetzt. Die Entschädigung orientiert sich an der vereinbarten Versicherungssumme und dem Alter des Pferdes. Sie können den Schutz individuell anpassen – wir haben vier Varianten der Lebensversicherung:

  • Transport: Deckt den Tod des Pferdes bei Transportunfällen sowie Feuer, Blitzschlag oder Explosion.
  • Standard: Deckt zusätzlich auch den Tod infolge von UnfallTrächtigkeit/Geburt, sowie akute oder chronische Krankheiten und Operationen.
  • Zucht: Erweiterung der Standard-Variante – hier sind zusätzlich Totgeburten und das Verenden von Fohlen (bis 6 Monate) infolge eines Unfalls oder einer Krankheit mit 10% oder 20% der Versicherungssumme des Muttertieres mitversichert. Das ist besonders für Züchter interessant.
  • Deckhengst: Erweiterung der Standard-Variante für Zuchthengste – sie deckt auch die Zuchtuntauglichkeit durch Krankheit/Unfall und die Unbrauchbarkeit zum Reiten/Fahren nach einem Unfall mit ab.

    Für die meisten Freizeitpferde ist die Standard-Variante meist passend, da sie umfassend bei Unfall oder Krankheit des Pferdes greift. Die Transport-Variante ist sinnvoll, wenn man häufig mit dem Pferdeanhänger unterwegs ist und nur dieses Risiko abdecken möchte. Züchter können mit den Varianten Zucht oder Deckhengst ihre speziellen Risiken zusätzlich absichern.

    Frage: Was beinhaltet die Krankenversicherung für Pferde bei der Hagelversicherung?

    Anja König: Die Basis der Krankenversicherung bildet eine Operationskostenversicherung. Diese übernimmt die Kosten, wenn eine Operation aufgrund von Kolik, Unfall oder Krankheit nötig wird. Sie können dabei aus vier Varianten wählen – Kolik, Bronze, Silber oder Gold. Diese unterscheiden sich vor allem in der Höhe der jährlichen Entschädigungssumme für Operationskosten. In der günstigsten Variante “Kolik” sind ausschließlich Kolik-OPs bis 7.500 € pro Jahr abgedeckt. Bei Bronze sind alle Operationskosten (also inkl. Kolik, Unfall, Krankheit) bis 7.500 € pro Jahr gedeckt. Silber erhöht dieses Limit auf 15.000 € pro Jahr. Und die höchste Variante Gold bietet sogar unbegrenzte Erstattung aller OP-Kosten pro Jahr – hier gibt es also kein Jahreshöchstlimit.

    Zusätzlich sind bei allen Varianten Vor- und Nachbehandlungskosten rund um die Operation mitversichert sind. Das heißt, notwendige Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder Labor sind zwei Tage (Neu ab 2026) vor der OP sowie die Nachsorge (Medikamente, Klinikaufenthalt, Verbandswechsel etc.) bis zum 20. Tag nach der OP inkludiert. Das entlastet Pferdebesitzer noch mehr, da auch diese Begleitkosten übernommen werden.

    Frage: Sie sagten, nicht-operative Kolik-Behandlungen können ebenfalls versichert werden. Wie funktioniert das genau?

    Anja König:  Zusätzlich zur Operationskostenversicherung können Sie zwei Kolik-Zusatzbausteine abschließen. Der Zusatzbaustein “Kolik Stationär” deckt konservative (medikamentöse) Kolik-Behandlungen in der Klinik ab. Voraussetzung ist, dass das Pferd aufgrund einer akuten Kolik für die Behandlung mindestens zwei Tage in einer Tierklinik oder Pferdeklinik aufgenommen wird. Alle Kosten für z.B. Infusionen, Medikamente usw., die zur Kolik-Behandlung ohne OP nötig sind, werden dann je nach gewählter Variante bis zu einer Jahreshöchstsumme erstattet.

    Die nächste Ausbaustufe ist der Zusatzbaustein “Kolik Plus” – dieser Baustein erweitert den Schutz auch auf ambulante Kolik-Behandlungen, oder Behandlungen von Koliken direkt im Stall. Die Erstattungslimits für diese Kolik-Bausteine hängen ebenfalls von der gewählten Variante ab. Zum Beispiel sind in der höchsten Variante Gold bis zu 5.000 € pro Jahr für stationäre Kolik-Behandlungen in der Klinik und bis zu 1.000 € pro Jahr für ambulante bzw. Vor-Ort- Kolik-Behandlungen im Stall abgedeckt. In den günstigeren Varianten liegen die Grenzen etwas niedriger (z.B. 1.500 € stationär und 400 € ambulant/Vor-Ort bei Kolik/Bronze). Wichtig zu wissen: Diese Kolik-Zusatzbausteine kann man nur in Kombination mit einer OP-Kostenversicherung abschließen – sie ergänzen also den OP-Schutz um die nicht-operativen Kolik-Behandlungen.

    Frage: Beginnt der Versicherungsschutz sofort? Gibt es bestimmte Wartezeiten, bis man Leistungen in Anspruch nehmen kann?

    Anja König:  Für Unfälle und Koliken gilt eine Wartezeit von 15 Tagen ab Vertragsabschluss. Für andere Krankheiten beginnt der Schutz in der Krankenversicherung nach 90 Tagen und je nach Erkrankung in der Lebensversicherung nach 90, 180 oder 365 Tagen Bei nicht-unfallbedingte Gelenks-Operationen – beträgt die Wartezeit ein Jahr.

    Frage: Ein wichtiges Thema für viele ist natürlich: Was kostet so eine Pferdeversicherung ungefähr?

    Anja König: Die Kosten richten sich nach der gewählten Versicherungsvariante und der gewünschten Deckung. Es macht einen Unterschied, ob man nur eine Kolik-OP absichern möchte oder alle Optionen inkl. allen Zusatzbausteinen wählt, und auch die Versicherungssumme (bei der Lebensversicherung) spielt eine Rolle. Um Ihnen aber ein Gefühl zu geben: Es gibt bereits sehr erschwingliche Basisangebote, und nach oben hin kann man den Schutz erweitern.

    Frage: Haben Sie ein Praxisbeispiel aus dem Freizeitpferde-Bereich, was  Versicherungen bei Ihnen kosten und wie sie helfen?

    Anja König: Sehr gerne, ich erzähle Ihnen einen typischen Fall aus unserer Praxis.

    Zum Beispiel hat Katrin eine Stute im Freizeitbereich. Eine Stallkollegin von ihr musste bei ihrem Pferd schon zweimal eine Kolik behandeln lassen, was jedes Mal mehrere hundert Euro Tierarztkosten verursachte. Das hat Katrin zum Nachdenken gebracht und sich möchte im Fall der Fälle nicht mit hohen Kosten kämpfen müssen. Sie hat daraufhin eine reine Operationskostenversicherung in der Variante Gold und das Zusatzpakete Kolik Plus   bei uns abgeschlossen, die alle Kosten für nötige chirurgische Eingriffe und medikamentöse Kolik-Behandlungen in der Klinik und im Stall abdeckt. Die Prämie dafür liegt bei etwa 68€ im Monat – ein überschaubarer Beitrag, durch den Katrin jetzt deutlich beruhigter schlafen kann.

    Frage: Das ist ein sehr anschauliches Beispiel. Abschließend noch die Frage: Wohin können sich interessierte Pferdebesitzerinnen wenden, wenn sie mehr über die Versicherungsmöglichkeiten erfahren oder ein Angebot möchten?

    Anja König: Am einfachsten ist es, auf unserer Webseite vorbeizuschauen. Dort finden Sie alle Informationen zur Pferdeversicherung Außerdem sind unsere Ansprechpartner für die Pferdeversicherung dort aufgelistet – Sie können uns also auch jederzeit persönlich kontaktieren. Ob telefonisch oder per E-Mail, wir beraten jeden individuell und finden gemeinsam die beste Lösung für Ihr Pferd. Selbstverständlich können Sie sich auch an Ihren Versicherungsagenten oder Versicherungsmakler Ihres Vertrauens wenden. Gerne stehen wir auch für diese bei Fragen zur Verfügung.Wir sind gerne für Sie da und helfen dabei, den optimalen Schutz für Ihr Pferd zu gestalten.

    Interviewer: Vielen Dank für das informative Gespräch! Gerade für uns Freizeitpferde-Besitzerinnen ist es beruhigend zu wissen, dass es passende Versicherungen gibt, die im Ernstfall einspringen. Ich denke, damit haben wir einen guten Überblick über die Möglichkeiten der Hagelversicherung im Pferdebereich.